Dezember 2001

Szenenwechsel
T-stan steht nicht nur für Turkmenistan. Neben der Autonomen Republik Tatarstan, die Bestandteil Rußlands ist und um die es hier nicht gehen soll, gibt es Tajikistan in Zentralasien. Nach einigen Verzögerungen durch die politische Situation entschloß ich mich, in der ersten Dezemberwoche nach Dushanbe zu reisen. Natürlich nicht aus touristischen Überlegungen.
Tajikistan Airlines fliegt 1xwöchentlich (im Winterhalbjahr 2001/2002 samstags 18 Uhr) ab München. Es ist kein Direktflug, wie gerne behauptet wird, sondern es wird eine Zwischenlandung in Istanbul eingelegt. (Hätte dies der TJ- Airlines- Vertreter auch so dargestellt, hätte ich mir sicherlich den Umweg sparen können.) Andere Flugverbindungen sind zur Zeit kaum verfügbar, wenn der Arbeitsort in Ashgabat liegt: Almaty bedeutet eine Wartezeit von 4 Tagen wegen schlecht abgestimmter Flugpläne und bietet keine OK- Buchung für den Rückflug, Moskau ist wegen der zum Ramadan und Neuen Jahr heimreisenden Tajiken nicht buchbar, Meshed im Iran ist nur per Auto über das KopetDagh- Gebirge zu erreichen und verlangt ein Visum, von Tashkent kann nur per Auto über die zur Zeit dringend abgeratene Nordroute nach Dushanbe gefahren werden.
Check- In: Der erste Eindruck wird sich halten. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen (u.a. CapAnamur, ACTED), Journalisten und Andere mit Unmengen von Gepäck stehen in der Schlange. Neben mir sind 8- 10 Tajiken und Russen auf dem Heimweg vom Verwandtenbesuch.
Fluggerät: TU154M. In Economy- Class sind Sitzreihen, die bei der 99%- Belegung des Fluges und in Verbindung mit den damenhandtaschengroßen Gepäckfächern Sorgen aufkommen lassen. Der Flug dauert 8:30 h mit einer 0:45 h Pause in Istanbul.
Service: Zum Glück nahm ich eine 1- Liter- Flasche Mineralwasser mit und wurde so schnell zum Freund meiner Nachbarn.
Meine Nachbarn: Alle auf dem Weg nach Afghanistan, um Hilfe zu leisten oder zu berichten.

Dushanbe
Die Stadt bietet sich dem Neuling recht kühl dar. Die Bürgerkriegsschäden sind behoben, für weitere Neubauten fehlten jedoch weitestgehend die Mittel. Es gibt viel zu tun.
Das Straßenbild wird geprägt durch eine starke Präsenz von Sicherheitskräften und den weißen Allrad- Fahrzeugen der UN, Rotes Kreuz/ Halbmond, Hilfsorganisationen. Nach 18 Uhr gibt es kaum noch Verkehr auf der Straße, was nicht nur mit dem Ramadan zu tun hat. Die Gewohnheiten der Menschen haben sich nach Jahren des Bürgerkrieges noch nicht wieder geändert.
Die Stadt liegt umgeben von hohen, nach dem zweiten Tag schneebedeckten Bergen, in einer relativ kleinen Ebene.
Wunderschön sind die langen Baumalleen. Riesige alte Bäume säumen die Strassen, viele Parks sind angelegt, Blumen blühen. S., unser tajikischer Mitarbeiter, wird nicht müde zu schwärmen von seiner Stadt, in der der Sommer noch Sommer mit bis zu 40 Grad und der Winter noch Winter mit langem Frost und Schnee ist.
Die Stadt wird, ebenso wie Ashgabat, sehr sauber gehalten. Unermüdlich sind Frauenbrigaden unterwegs und fegen mit Reisigbesen das Laub beseite.
Angenehm fällt mir auf, daß, anders als in Ashgabat, die Fenster der Wohnungen ganz selten im Erdgeschoß, nie in den oberen Etagen außen vergittert sind. Während einer Einladung in die Familie eines neuen Bekannten zum Abendessen (während meiner Reise herrschte Ramadan, sodaß nur vor Sonnenauf- und erst nach Sonnenuntergang gegessen und getrunken werden darf), sah ich, daß dies anders gelöst ist. Die Gitter sind innen angebracht und deshalb weniger sichtbar.
Mehr als 90 % der Fläche des gesamten Landes machen Hochgebirge (Pamir, TienShan) aus, das Alpinisten mit der Zunge schnalzen läßt. Hier liegen der Pik Sonomi (früher Pik Kommunismus) mit 7495 m, der Pik Lenin mit 7134 m und der 72 km lange Fedchenko- Gletscher.

Energie

Tajikistan ist reich an Wasser und, durch die Wasserkraftwerke, an Elektroenergie. Energie muß jedoch verteilt werden. Für den Bau von guten Umspann- und Verteilerstationen reichte die Zeit nicht. So passierte es, daß in den Büros die Heizkörper wegen Gasmangels kalt sind und die spärliche Wärme durch Kochplatten, Elektroheizer oder Klimaanlagen erzeugt wird. Dies wiederum belastet das Leitungsnetz enorm. Der Kreis schloß sich eines Abends im Restaurant, als die Elektroenergie für längere Zeit ganz ausfiel.


Zahlen

Bis 1996 wütete im Land ein 2jähriger Bürgerkrieg. Heute fragt sich jeder, wie es dazu kommen konnte. Not, Hunger, Elend waren allgegenwärtig und sind auch heute noch Teil der Gespräche. Die Opfer waren schrecklich. Während des 2. Weltkrieges fielen 40.000 Tajiken, während des Bürgerkrieges 100.000, wie mir R. sagte.
Deutsche haben in Tajikistan einen äußert guten Ruf. Es gab früher einen deutschstämmigen Bevölkerungsanteil von ca. 20 %, der die sogen. deutschen Tugenden am Leben hielt. In den vergangenen 10 Jahren sind fast alle ausgereist, nur wenige kehrten enttäuscht zurück.




Studentenblumen nach dem ersten heftigen Schneefall in Dushanbe







Ausflug nach Gissar


Dushanbe



Heimflug