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Eine turkmenische Hochzeit
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Ich wurde zu einer Hochzeit eingeladen. Der Neffe unseres Mitarbeiters B. heiratete seine Liebste. Am Vortag um 11 Uhr fand die islamische Zeremonie statt. Alle Verwandten und Freunde wurden zum Mittagessen eingeladen. Einzig zu dieser Gelegenheit gibt es Dogra´ma, eine turkmenische Spezialität. Sehr wohlschmeckend, wird sie zubereitet aus einer Hammel- Brühe, ausgelöstem Hammelfleisch, Fladenbrotwürfeln und Zwiebeln. Fleisch, Brot und Zwiebel werden trocken gemischt, die Brühe wird erst kurz vor dem Servieren aufgefüllt. Serviert wird in Schüsseln. Es ist nicht unüblich, daß mehrere aus einer Schüssel essen. Ich kann allerdings nur von Männern berichten, da die Speisen getrennt eingenommen wurden. Dazu wird grüner Tee getrunken, Gemüse gegessen. Alkohol ist tabu. Einzig eines ist gefährlich: Da die Suppe auf Brot basiert, ist das erste Sättigungssignal bereits zu spät. Innerhalb kurzer Zeit wächst die Suppe, ein Gefühl von Beton macht sich breit. Ausschließlich heißer grüner Tee kann hier helfen, mit Wasser wird es nur noch schlimmer. Natürlich sitzt man auf dem Boden im Schneidersitz. Zur Sitzerleichterung kann nach dem Essen die Ruhestellung (ein Arm abgestützt auf einem Kissen) eingenommen werden. Ich kann beruhigen: Man gewöhnt sich schnell an diese Sitzhaltung. Die anfangs "eingeschlafenen" Füße und schmerzenden Knie sind erstaunlicherweise schnell vergessen. Übrigens nennt man auf Russisch diese Sitzhaltung po- turezkiy, auf türkisch.
Anders als bei deutschen Hochzeitsfeiern sitzt das Brautpaar erhöht, links und rechts daneben die Trauzeugen. Alle nahen Gäste haben die Gelegenheit, per Mikrofon Wünsche und Glückwünsche zu übermitteln.
Einer der Höhepunkte waren die Auftritte des Ashgabater Ballettensembles. Die Gruppe zeigte ihr Repertoir, wobei der Bauchtanz der absolute Renner war. Besonders Mutige ließen sich hinreißen, den Tänzerinnen Geldscheine in den Bund zu schieben- unter Jubel und Kommentaren der Verwandten natürlich. |
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Grüner Tee
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Seit meiner Ankunft in Turkmenistan trinke ich grünen Tee. Er wird immer und überall angeboten und getrunken. Eine Mahlzeit ist erst mit grünem Tee richtig beendet. Der Tee darf nicht zu lange quellen, muß dreimal in die Schale gegossen und wieder in die Kanne zurückgegossen werden. Die Kannen haben etwas andere Deckel, statt eines Griffes haben sie ein Loch. Eine geflochtene Schnur wird durchgefädelt, am Kannengriff festgebunden. Warum? Der Deckel kann nicht mehr runterfallen oder verloren gehen.
Die gesundheitsfördernde Wirkung ist allein mangelnden Koffeingehaltes logisch. Eine interessante Neuigkeit erfuhr ich hier: Australische Wissenschaftler haben herausgefunden, daß der regelmäßige Genuß von grünem Tee krebsverhindernd wirken soll. Besonders im warmen Klima fühlen sich die bösartigen Zellen wohl, grüner Tee hält sie nachhaltig in Grenzen. |
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Erbent
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Nachdem unser Fahrzeug endlich in Ashgabat angetroffen war, konnte ich einen ersten Sonntagsausflug unternehmen.
Erbent, eine Ansammlung vom flachen Lehmhäusern und Jurten in der Wüste, liegt ca. 2,5 Autostunden von Ashgabat entfernt an der Straße nach Dashoguz. Im Nichts taucht die Siedlung auf. Wegen des eisig kalten Windes war kaum jemand unterwegs. Wir wurden jedoch schnell eingeladen, Tee zu trinken. Der Raum füllte sich, die Kinder der Familie wollten die Fremden sehen. Unsere Begleiterin machte mit einem der Ältestens, einem Aksakal, für uns eine Führung, zeigte uns die Moschee. Schließlich wurden wir in die Jurte seiner Familie eingeladen, um einen Tee zu nehmen. Schnell wurden uns die Teppiche gezeigt, die die Familie in der letzten Zeit hergestellt hatte. Der Lebensunterhalt wird durch Viehzucht, Schafe und Kamele, verdient. Die Familien sind im wesentlichen Selbstversorger.
Der Staat stellt in dieser Lage kostenlos Mehl zur Verfügung, Wasser wird regelmäßig per Tankwagen angefahren.
Fast 80 Jahre Sowjetmacht haben eines nicht geschafft: fast niemand spricht Russisch. Ein Grund mehr, den Turkmenisch- Kurs endlich zu beginnen!
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In westlicher Richtung, im KopetDagh- Gebirge, versteckt sich Nokhur. Die Siedlung mit 3000 Einwohnern geht auf Alexander den Großen zurück. Die Menschen sprechen einen eigenen, dem Persischen ähnlichen Dialekt, und unterscheiden sich auch optisch von den meisten Turkmenen durch ihre blauen Augen.
Eine Fahrt durch plötzlich einsetztenden Schnee auf einer beinahe nicht vorhandenen Straße führte uns immer höher. Tauwasser hatte die Naturstraße unterspült, der neue Schnee versteckte manchen Fels für unser Auto.
Die Häuser sind höher gebaut und fast immer in ihrem Urzustand erhalten. Wir wurden schnell von einer Familie eingeladen. Die Großmutter des Hauses bereitete Tee zu, wir bekamen frisches Brot und ein Gemisch aus Hammelfett und kaltem Fleisch sowie sehr schmackhaften Käse. Danach setzte sie sich wieder an ihre Arbeit: sie spann Rohseide auf einer uralten, hözernen Konstruktion. Die Familie versammelte sich weiter, eine junge Frau der Familie kam herein. Sie trug das Kopftuch zwischen den Zähnen eingeklemmt. Wir erfuhren, warum: Sie wird demnächst heiraten und hat bis dahin nicht das Recht, zu sprechen.
Die Bewohner Nokhurs sind ebenso Selbstversorger wie jene in Erbent. Es wird kaum Geld benötigt, der Verkauf von Teppichen oder Vieh und Obst bringt dies herein. In den letzten Jahren wurde auch den Bewohnern des Ortes viel Aufmerksamkeit zuteil. Eine Gasleitung wurde gelegt, das Gas ist kostenfrei und schafft die wohlige Wärme in den lehmverputzten Häusern.
Einige Impressionen habe ich zusammengetragen- ein weiterer Besuch wird sicher im Sommer folgen.
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